Rainbow Uprising

Seit die PiS Partei 2015 an die Macht gekommen ist, gerät die polnische LGBT+ Community verstärkt ins Kreuzfeuer der Machtelite. Verschwörerische Lügen werden über LGBT+
verbreitet, um diese aus der polnischen Gesellschaft auszuschließen. Inzwischen gilt Polen
als queer-feindlichstes Land in der EU. Im Sommer 2020 fegte eine landesweite Protestwelle
durch Polen. Ausgelöst durch die Verhaftung der Transgenderaktivistin Margot, entlud sich
in den darauf folgenden Wochen der Frust über die jahrelange Hasspropaganda und Ungerechtigkeit gegenüber der LGBT+ Community.
Eine Momentaufnahme in Fotografien von Lukas Becker.

Protestierende hängen verschiedene LGBT+ Fahnen an eine Statue am Kulturpalast als Solidarität mit Margot einer
Transgenderaktivistin. Margot wurde am Vortag unter massivem Protest verhaftet, wobei nahezu 50 Personen
einschließlich unbeteiligter Passant*innen mit harter Polizeigewalt festgenommen wurden. Dies war der Beginn
landesweiter Proteste gegen politische Hasspropaganda und strukturelle Ausgrenzung der LGBT+ community.

Jabuk Gawron (Front) und Paweł, zwei Macher von „Atlas Of Hate“, ein online-Monitoring über die Resolutionen der
„LGBT-freien Zonen“, die seit 2019 von Lokalregierungen widerrechtlich ausgerufen worden sind. Durch den „Atlas“
erlangte das Thema weitreichende Aufmerksamkeit, was unter anderem dazu führte, dass den homo- und transphoben
Gemeinden Sanktionen auferlegt wurden, sowie Gerichte gegen sie vorgingen.

Martin Huang (22) hat vor einem halben Jahr mit seiner Transition begonnen und lebt mit Mutter und Großmutter im
gemeinsamen Haushalt. Die Mutter sagt, dass ihr Kind für sie „tot sei“, da Martin als Mann behandelt werden möchte.
Sie verbietet Martin sich vor der Großmutter zu outen, sonst würde sie ihn aus dem Haus schmeißen. Eine Transition
ist in Polen sehr teuer. Wenn Martin die Schulden dafür abbezahlt hat, will er unverzüglich nach Taiwan emigrieren

Charlotte (rechts) lädt einmal in der Woche zum Bingospielen in einer der wenigen queerfreundlichen Bars in Warschau ein.

Vor allem die jüngere Generation erhebt ihre Stimme gegen staatliche Hasspropaganda und Polizeigewalt zu Lasten von LGBT+.
Demonstrationen und Pride-Märsche sind eine von nur wenigen Gelegenheiten, in Polen die eigene Geschlechteridentität oder
Sexualität offen auszuleben. Trotz des hohen Polizeiaufgebots bei der Demonstration, wird empfohlen, die Veranstaltung nicht
alleine zu verlassen, denn man könnte jederzeit von Hooligans nach Hause verfolgt werden.

Marzenna und ihre zwei schwulen Söhne Paweł (links) and Stanisław (rechts). Sie ist Mitbegründerin von „My Rodzice“,
zu deutsch „Wir, die Eltern“, einer Vereinigung für Eltern von LGBT+ Kindern. In vielen Familien weckt ein Coming-Out
große Sorgen und Ängste bei den Eltern. Marzenna kennt diese Probleme und versucht die Eltern für Homosexualität und
Transgender zu sensibilisieren.

Jej Perfekcyjność (zu Deutsch: Ihre Perfektion), non-binary Transperson und seit über 13 Jahren für LGBT+ Rechte aktiv.
Für viele Jahre litt Jej unter der Anwesenheit eines Nachbarn, welcher Jej immer wieder drangsalierte, bespuckte und
andere Gewalt androhte. Jej erinnert sich an eine lange Periode der Unsicherheit, bei jedem Versuch die eigene Wohnung
zu betreten. Einmal schaffte es Jej nur mit Hilfe der Polizei, denn es bestand immer das Risiko, vom direkten Nachbarn
geschlagen zu werden.

Ein typischer Wohnblock in Warschau. Viele Leute hängen Regenbogenfahnen aus ihren Fenstern in Solidarität mit den
aktuellen Protesten und um LGBT+ im polnischen Alltag sichtbar zu machen. Auch in Polen ist im Durchschnbitt jede
10. Person nicht heteronormativ.

Jej Perfekcyjność (links) und Charlotte (rechts). Seit dem Beginn der Corona-Pandemie senden sie ein- bis zweimal in der
Woche einen Live-Stream, worin sie das politische Geschehen für die queer-community kritisch aufbereiten.

Die Jesusstatue am Eingang der Heilig-Kreuz-Kirche. Die Polizei bewacht das Monument, nachdem es in den vorherliegenden Wochen von Feminist*innen mit einer Regenbogenfahne geschmückt wurde.

Demonstration in Warschau. In der Mitte ein Schild, dass sagt „Klaudie getötet durch Homophobie, sie war 15 Jahre alt“.
Laut einem Bericht der NGO „Kampagne gegen Homophobie“ aus dem Jahr 2016 leiden 50% der LGBT+ Personen unter
Suizidgedanken.

Warschauer Fußball-Hooligans organisieren eine Demonstration gegen die von ihnen so betitelte „LGBT-Ideologie“. In den
Jahren zuvor kam es immer wieder zu gewaltvollen Angriffen auf Prides und LGBT+ Demonstrationen durch Hooligans.

Seit dem Beginn der Protestwelle Anfang August protestieren täglich LGBT+ Aktivist*innen vor der Jesusstatue und
suchen den Dialog. Nicht weit entfernt und immer auf der Hut, dass jegliche Regenbogen-Symbole nicht ins Innere der
Kirche gelangen, bewachen fundamentalistische Glaubensanhänger den heilig geglaubten Ort.

Bart Staszewski, Aktivist aus Warschau. Er sagt, die LGBT+ Community darf nicht nachlassen und muss die Proteste bis zu
den nächsten Präsidentschaftswahlen 2025 aufrechterhalten, damit es zu einer liberalen Regierung und der Verbesserung
der Rechte für LGBT+ kommt.

Warschau, August 2020.