Filmbeschreibungen

Camillo Queer Cinema Week 2019


18.11. bis 24.11. 2019 

 

Die Camillo Queer Cinema Week ist eine jährlich stattfindende Filmwoche mit dem Schwerpunkt Queer. Vom 18. bis 24.11.2019 werden daher 14 aktuelle Kinofilme aus dem Spektrum LGBTIQ* zu sehen sein, die diverse Liebes- und Lebensrealitäten facettenreich beleuchten sollen. Neben den Filmveranstaltungen wird es auch einen Vortrag zu Polyamorie und zwei Konzerte geben. 

 

Der Eintritt ist frei!!!

 

gefördert durch:


Programm:

DOKU: Don't give a Fox

 

 

Dänemark 2019, Laufzeit: 87 Min., FSK o.A.
Regie: Kaspar Astrup Schröder

 

Die ambitionierte, dänische Doku über eine Gruppe skateboardfahrender Mädchen* erzählt vor allem von Freund:innenschaft. Die Geschichte von Sofie, Line, Signe und den anderen zeigt, wie selbstverständlich, taff und dennoch sensibel sich Mädchen* und Frauen* heute behaupten. Kaspar Astrup Schröder ist ein liebevolles Porträt einer Mädchen*-Skate-Crew gelungen, die gemeinsam um ein freies, furchtloses Leben ringen.

  


Porträt einer jungen Frau in Flammen

 

Frankreich 2019, Laufzeit: 120 Min., FSK 12
Regie: Céline Sciamma
Darsteller:innen: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajr

 

Im Jahr 1770 erhält die Pariser Malerin Marianne den Auftrag, ein Porträt zu malen. Eine Herzogin bittet sie zu sich auf die Insel, Marianne soll die Tochter Héloïse portraitieren. Die sträubt sich dagegen aus Protest vor der bevorstehenden, arrangierten Ehe. Marianne malt sie aus der Ferne – und kommt Héloïse dabei näher. Berührendes, vielschichtiges Liebesdrama.

 

 


DOKU: Normal

Italien, Schweden 2019, Laufzeit: 67 Min., FSK 12

Regie: Adele Tulli

 

Dieser schön fotografierte, sehr unterhaltsame Dokumentarfilm stellt mit reiner, kommentarloser Beobachtung von Alltagsszenen in Italien einige sehr grundsätzliche Fragen nach dem Rollenverhalten von Männern und Frauen, nach den frühen Prägungen und Ausrichtungen. "Normal" ist keine polemische Kampfansage, keine flammende Anklage, sondern ein heiterer Streifzug, der so beiläufig und federleicht daherkommt, dass jeder sich ganz entspannt ins Verhältnis dazu setzen und über eigene Geschlechterklischees im Kopf nachdenken kann. Das lohnt sich immer.

 

 


Leid und Herrlichkeit

 

 

Spanien 2019, Laufzeit: 112 Min., FSK 6
Regie: Pedro Almodóvar

Darsteller:innen: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Leonardo Sbaraglia, Penélope Cruz Sánchez

 

 

Pedro Almodóvar blickt zurück und bastelt aus seinen Erinnerungen und aus seiner Faszination für das Kino ein neues Glanzstück: die Geschichte des Regisseurs Salvador Mallo (Antonio Banderas). Gebeutelt von Krankheit und Kreativblockade sucht der ergraute Künstler nach Inspiration, begegnet einem alten Freund und seiner alten Liebe und schöpft Zuversicht. Großes Kino! 

 


konzert: Eyeris Mxs.

 

 

Eyeris Mixes (ausgesprochen) ist eine oldschool HipHop DJane mit Wurzeln in Sachsen und Mosambik. Sie kombiniert gerne Politik mit Musik und bringt ihren eigenen und vielfältigen Musikgeschmack mit. Regelmäßig verfeinert sie in der Hauptstadt und Umgebung den Abend mit den besten Klängen aus HipHop/RnB und elektronischen Beats, wie in der Zusammenarbeit mit der queeren Hip Hop Party Bassware feat. Berries, im Mensch – Meier mit der Springstoff - Crew, oder auf dem Fokus Festival, oder dem diesjährigen Melt Festival. Des Weiteren ist sie hier und da in Kollaboration div. female Live-Artists - wie mit der Rapperin Mc Josh, oder der Soul-Sängerin Shubangi. 

 

 

//...Free your mind and your ass will follow!!!/// 

 


Heute oder morgen

 

Deutschland 2019, Laufzeit: 93 Min., FSK 16
Regie: Thomas Moritz Helm
Darsteller:innen: Paula Knüpling, Maximilian Hildebrandt, Tala Gouveia

 

 

Berlin im Sommer: Niels und Maria, seit einiger Zeit ein experimentierfreudiges Paar in offener Beziehung, begegnen der britischen Studentin Chloë. Daraus entspringt ein unbekümmerter Liebesbund à trois – bis Chloë schwanger wird. Leichtigkeit adé: Plötzlich sehen sich die Liebenden Zweifeln und Eifersucht ausgesetzt, die Konstellation gerät ins Wanken. Erfrischend leichte Tragikomödie mit absolut sehenswerten Schauspieler:innen.

 

 



Nevrland

 

Österreich 2018, Laufzeit: 90 Min., FSK 16
Regie: Gregor Schmidinger
Darsteller:innen: Simon Frühwirth, Paul Forman, Josef Hader

 

 

Jakob ist 17, wohnt in Wien bei seinem Vater (Josef Hader) und ist auf der Suche – vor allem nach sich selbst. Aufgrund seiner Angststörung bewegt er sich bevorzugt im Internet. Bei einem Sex-Cam-Chat befreundet er sich mit dem Künstler Kristjan. Aus der Begegnung ohne Begegnung entwickelt sich ein Trip, der Realität und Fiktion durcheinanderwirbelt. Starkes Debüt-Drama: Hauptdarsteller Simon Frühwirth gewann den Max-Ophüls Preis 2019 als bester Nachwuchsschauspieler.

 


DOKU: Born in Evin

 

 

Deutschland 2019, Laufzeit: 98 Min.

Regie: Maryam Zarée

 

 

Die in Deutschland aufgewachsene Schauspielerin und Filmemacherin Maryam Zaree wurde im Zuge der Islamischen Revolution in einem iranischen Gefängnis geboren. Ihre Mutter schweigt bis heute darüber. Doch Maryam hält die Verdrängung nicht mehr aus und konfrontiert ihre Familie und andere Opfer Chomeinis mit ihren Fragen. Ein beeindruckendes, ungewöhnliches Filmerlebnis, in dem die Regisseurin nicht vor der Offenlegung der eigenen Traumata zurückschreckt. 

 


My Days of Mercy

 

Großbritannien, USA 2017, Laufzeit: 108 Min., FSK 12

 

Regie: Tali Shalom Ezer

Darsteller:innen: Ellen Page, Kate Mara, Amy Seimetz, Charlie Shotwell

 

Da ihr Vater wegen Mordes in der Todeszelle sitzt, ziehen Lucy und ihre Geschwister durch das Land, um gegen die Todesstrafe zu protestieren. Eines Tages stehen sich Gegner:innen und Befürworter:innen gegenüber. Dort lernt Lucy Mercy kennen und lieben. Ein vielschichtiger, ruhig erzählter Film, der sich die großen Themen Todesstrafe und Homosexualität in den USA vornimmt.

 

 


Doku: Ich bin Anastasia

 

Deutschland 2019, Laufzeit: 95 Min., FSK 0

Regie: Thomas Ladenburger

 

 

Oberstleutnant Anastasia Biefang wurde bei ihrer Geburt als "männlich" klassifiziert. Als sie in der Bundeswehr einen Höhepunkt ihrer Laufbahn erreicht, trifft sie die Entscheidung, ihr gefühltes weibliches Geschlecht gänzlich anzunehmen. Ein erwarteter Karriere-Abstieg bleibt nach dem Transgender-Outing und der Geschlechtsangleichung zur Frau zu ihrem Erstaunen aus. Sie übernimmt sogar das Informationstechnik-Bataillon im brandenburgischen Storkow und wird damit zur Vorreiterin in einem Bereich, in dem die Gender-Grenzen bisher stark gezogen worden sind. 

 


Nurejew – The White Crow

 

Großbritannien, Frankreich, Serbien 2019, Laufzeit: 127 Min., FSK 6

Regie: Ralph Fiennes

Darsteller:innen: Oleg Ivenko, Adèle Exarchopoulos, Chulpan Khamatova

 

 

Rudolf Chametowitsch Nurejew (1938-1993) erwuchs zu einem der bekanntesten Tänzer der Sowjetunion, bevor er sich 1961 auf einer Tournee in Paris in den Westen absetzte. Das Drama folgt dem ebenso brillanten wie temperamentvollen Virtuosen (Oleg Ivenko), der seiner Leidenschaft und dem Freiheitsdrang folgt. Regisseur Ralph Fiennes verkörpert den Ballettmeister in dieser optisch opulenten Ode an die (künstlerische) Freiheit.

 


DOKU: Celebration

 

Frankreich 2006, Laufzeit: 73 Min., FSK 0

Regie: Olivier Meyrou

 

Bereits 2006 inszenierte Regisseur Olivier Meyrou dieses biografische Drama über die letzten Lebensjahre von Yves Saint Laurent – dessen Partner Pierre Bergé jedoch ließ die Veröffentlichung zu seinen Lebzeiten verbieten. Jetzt endlich erblickt das dokumentarische Drama die Leinwand. Meyrous Hauptaugenmerk gilt der ambivalenten Beziehung des Künstlers und seines Partners und Beschützers.

 


Vortrag: Polyamorie als kapitalistisches Symptom?

 

Nicht erst seit gestern ist das Beziehungskonzept der Polyamorie ein Thema, das vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert wird. Die Einen halten es für einen fortschrittliches Konzept, das weg von der traditionellen, bürgerlichen monogamen Zweierbeziehung in Richtung befreite Gesellschaft inklusive freier Liebe führt; die Anderen finden: Vielliebe, das ist neoliberale Selbstoptimierung, emotionale (Selbst-)Ausbeutung auf Kosten der jeweiligen Partner*innen, die sich nun noch mehr um begrenzte Zeit- und Nervenressourcen streiten müssen, als sie es ohnehin schon in Konkurrenz zur Arbeit tun. 

 

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe wird dieser Vortrag das Konzept der Polyamorie erläutern und diese beiden Diskurspole ausführen. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern in polyamoren Beziehungen patriarchale Muster reproduziert werden – oder ob die Vielliebe einen

Ausweg aus diesen Mustern darstellen kann.

 

 

Die Vortrag ist ein Teil der Veranstaltungsreihe "Feminismus - ein Muss oder Muß? - we all know the answer!"

 

 


Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

 

Großbritannien 2018, Laufzeit: 106 Min., FSK 12

Regie: Annabel Jankel

Darsteller:innen: Anna Paquin, Holliday Grainger, Gregor Selkirk

 

Die schottische Kleinstadt Dunloth, 1952. Jean kehrt als Ärztin in ihre Heimatstadt zurück. Einem ihrer kleinen Patienten, Charlie, bringt sie die Bienenzucht näher. Als Jean Lydia, der alleinerziehenden Mutter des Jungen begegnet, verlieben sich die Frauen ineinander. Eine Liaison, die in der Gemeinde auf Gegenwehr stößt. Stimmiges Drama mit zwei hervorragend harmonierenden Hauptdarsteller:innen.

 

 


Konzert: Tubbe (Solo)

 

Tubbe waren nur kurz einen Kaffee holen. Ok, das ist eine Lüge. Sie haben zwei Kaffee geholt. Alles andere wäre ungerecht. Und vielleicht haben sie auch nicht nur Kaffee geholt. Sondern ein ganzes Leben neu gezimmert. Henris Leben. Tubbe sind jetzt eine Boyband. Eigentlich waren sie das schon immer. Nur ohne Choreographie.

 

Die Transition, Quereinsteiger-Männlichkeit, Aufregung. Aber Boyband sein ist kein Zirkus. Es ist keine Sensation. Es ist nicht der An-Schalter für den Voyeurismus der Masse. Es ist eine Entscheidung. Eine notwendige und eine gute. Musik von Tubbe gibt es tatsächlich auch noch zu hören! Sie ist sehr gut, glaubt uns das. Aber es geht um mehr. Und zwar um alles. Das, was sich verändert hat. Innen und außen. Die Welt ist eine andere, wenn man endlich ist. Mit dem ersten heiseren Jauchzen über das erste heisere Jauchzen kam die Politik. Denn alles ist auf einmal politisch. Strandurlaube, Klogänge und die Liebe. Nicht, weil man sich das so vorgestellt hat, sondern weil das Geschrei der anderen so laut ist. Dabei war da doch nur die Sehnsucht nach Bart und Unsichtbarkeit. Doch das Leben ist eine Fangfrage und bisweilen weiß man die richtige Antwort nicht. Weil es sie möglicherweise gar nicht gibt. Das Leben schätzt Multiple Choice.

 

Alles ist anders, alles ist gleich, gleich ist alles anders, anders ist alles gleich.

 

 


Messer im Herz

 

Frankreich, Mexiko, Schweiz 2018, Laufzeit: 106 Min., FSK 16

Regie: Yann Gonzalez

Darsteller:innen: Vanessa Paradis, Kate Moran, Nicolas Maury

 

Mit einen Schnappklingen-Dildo treibt ein Killer sein Unwesen am Set einer Schwulenpornoproduktion. Die Polizei kommt ihm nicht auf die Spur. Also ermittelt Regisseurin Anne (Vanessa Paradis), die eigentlich gerade versucht, beim Dreh ihre Ex zurückzugewinnen, auf eigene Faust. Ein melodramatischer, frivoler Thriller von Yann Gonzalez.

 

 


Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

 

Mazedonien, Belgien, Frankreich 2019, Laufzeit: 100 Min.

Regie: Teona Strugar Mitevska

Darsteller:innen: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Simeon Moni Damevski

 

Ein Dorf in Nordmazedonien: Mit dem Geschichtsstudium in der Tasche lebt die 31-jährige Petrunya bei ihrer Mutter. Nach einem Bewerbungsgespräch bricht Petrunya gedemütigt und trotzerfüllt ein Tabu, als sie spontan zu einer Dreikönigstag-Prozession in den Fluss springt und ein gesegnetes Kreuz herausfischt. Ein Vorrecht, das nur Männern vorbehalten ist. Satiredrama über Religion, Machismo und die Rolle der Frau und einer der stärksten Beiträge der letzten Berlinale.